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Zusammenarbeit & Empathie

Gut zusammenarbeiten mit verschiedenen Typen

Mit verschiedenen Typen gut zusammenarbeiten: Du erkennst Arbeitsstile, triffst klare Absprachen und nutzt Reibung konstruktiv.

11. Juli 2023 7 Min. Lesezeit

KI-generiert

Im Projektmeeting will eine Kollegin sofort entscheiden, während dein Kollege noch drei Rückfragen stellt und Unterlagen prüfen möchte. Du selbst willst erst wissen, wer welche Aufgabe übernimmt. Nach zehn Minuten sind alle genervt: Die eine empfindet die anderen als langsam, der andere den Entscheidungsdruck als oberflächlich und du vermisst eine klare Vereinbarung. Solche Situationen entstehen selten, weil Menschen grundsätzlich nicht zusammenpassen. Meist treffen unterschiedliche Arbeitsstile auf unklare Erwartungen.

Unterschiedliche Arbeitsstile sind keine Charakterurteile

Im Berufsalltag ist es verlockend, Menschen schnell einzuordnen: „Sie ist eben chaotisch“, „Er ist ein Kontrolltyp“ oder „Die beiden sind einfach schwierig.“ Solche Etiketten wirken zunächst entlastend, weil sie Komplexität reduzieren. Für die Zusammenarbeit helfen sie jedoch kaum. Sie machen Verhalten zu einer festen Eigenschaft und übersehen, dass Menschen je nach Aufgabe, Zeitdruck und Rolle unterschiedlich handeln.

Ein Kollege, der auf Details besteht, kann bei einer wichtigen Kundenpräsentation wertvolle Risiken erkennen. Dieselbe Gründlichkeit kann bei einer spontanen Abstimmung bremsen. Eine Kollegin, die schnell entscheidet, bringt Energie in festgefahrene Projekte. Sie kann andere aber überfordern, wenn sie keine Zeit für Rückfragen lässt.

Beobachte deshalb zunächst, was konkret geschieht, statt zu bewerten. Frage dich:

  • Wie trifft die Person Entscheidungen?
  • Welche Informationen braucht sie, um handlungsfähig zu sein?
  • Wie geht sie mit Zeitdruck um?
  • Wann spricht sie Probleme an?
  • Wie verbindlich plant sie Aufgaben und Termine?
  • Was passiert, wenn etwas unklar bleibt?

Der Unterschied ist entscheidend. „Du bist unstrukturiert“ greift die Person an. „Mir fehlt nach unserem Gespräch eine Liste mit Zuständigkeiten und Terminen“ beschreibt eine beobachtbare Lücke. Damit schaffst du eine Grundlage, auf der ihr etwas verändern könnt.

Typische Unterschiede, die im Team Reibung erzeugen

Nicht jede Differenz ist ein Konflikt. Reibung entsteht häufig erst dann, wenn zwei berechtigte Bedürfnisse unbemerkt gegeneinander arbeiten. Einige Muster begegnen uns in Trainings besonders oft.

Manche Menschen denken laut. Sie entwickeln Ideen im Gespräch, wechseln Gedanken und stellen auch unfertige Vorschläge in den Raum. Andere wollen erst nachdenken und dann eine ausgereifte Position vertreten. Wenn die erste Gruppe Schweigen als Desinteresse deutet und die zweite Gruppe das Gespräch als ungeordnet erlebt, reden beide schnell aneinander vorbei.

Auch beim Umgang mit Risiken gibt es Unterschiede. Eine Person sieht zuerst Chancen und will ausprobieren. Eine andere prüft Folgen, Abhängigkeiten und mögliche Fehlerquellen. Beide Perspektiven braucht ein gutes Projekt. Schwierig wird es, wenn Vorsicht als Verhinderung und Tempo als Leichtsinn abgewertet werden.

Ähnlich ist es bei Planung und Flexibilität. Einige arbeiten am besten mit klaren Zwischenschritten, festen Zuständigkeiten und einer sichtbaren Prioritätenliste. Andere reagieren flexibel auf neue Informationen und wollen den Plan bewusst offenhalten. Hier geht es nicht darum, welcher Stil besser ist. Entscheidend ist, wie viel Verbindlichkeit die Aufgabe tatsächlich braucht.

Sprich über die Zusammenarbeit, nicht über den Menschen

Wenn dich das Verhalten einer Person ärgert, beginne nicht mit einer Diagnose. Beschreibe Situation, Wirkung und Wunsch. Diese einfache Reihenfolge hält das Gespräch sachlich und gibt deinem Gegenüber eine faire Möglichkeit zu reagieren.

Statt: „Du entscheidest immer über unsere Köpfe hinweg.“

Sage: „Als du die Aufgaben gestern im Meeting verteilt hast, hatte ich keine Gelegenheit, die Abhängigkeiten zu prüfen. Dadurch ist für mich unklar, ob ich den Termin halten kann. Ich möchte die Punkte künftig kurz gemeinsam klären, bevor wir sie fest zusagen.“

Statt: „Du verzettelst dich ständig.“

Sage: „Wir haben heute viele Ideen gesammelt, aber noch keine Entscheidung getroffen. Für den nächsten Schritt brauche ich eine Auswahl von zwei Optionen. Können wir dafür jetzt fünf Minuten fest einplanen?“

Statt: „Mit dir kann man nichts spontan besprechen.“

Sage: „Ich merke, dass du vor Entscheidungen gern Unterlagen ansiehst. Was brauchst du von mir, damit wir bis morgen zu einer Entscheidung kommen können?“

Solche Sätze sind nicht weichgespült. Sie sind konkret. Du benennst, was dich behindert, ohne die andere Person abzuwerten. Gleichzeitig machst du deutlich, welchen nächsten Schritt du erwartest.

Klare Absprachen entlasten unterschiedliche Typen

Viele Konflikte, die wie persönliche Spannungen aussehen, sind in Wahrheit schlecht geklärte Arbeitsprozesse. Ein Satz wie „Du kümmerst dich darum“ reicht selten aus. Was genau gehört dazu? Bis wann? Woran erkennt ihr, dass die Aufgabe erledigt ist? Wer entscheidet bei Rückfragen?

Klärt bei gemeinsamen Aufgaben möglichst diese fünf Punkte:

  1. Ziel: Welches Ergebnis soll konkret vorliegen?
  2. Zuständigkeit: Wer übernimmt die Aufgabe und wer liefert zu?
  3. Entscheidung: Wer entscheidet bei offenen Fragen oder Zielkonflikten?
  4. Zeitpunkt: Bis wann braucht ihr einen Zwischenstand und wann das Ergebnis?
  5. Kommunikation: Wo dokumentiert ihr den Stand und wann gebt ihr Bescheid?

Ein praktisches Beispiel: Statt „Bitte bereite die Präsentation vor“ vereinbart ihr: „Du erstellst bis Dienstag einen ersten Entwurf mit Struktur und Kernbotschaften. Ich liefere dir bis Montag die aktuellen Zahlen. Am Dienstag schauen wir gemeinsam auf offene Punkte. Die finale Freigabe übernimmt unsere Projektleitung.“

Diese Präzision hilft nicht nur strukturierten Menschen. Auch spontane Kolleginnen und Kollegen profitieren, weil sie wissen, innerhalb welchen Rahmens sie flexibel handeln können.

Reibung produktiv nutzen

Unterschiedliche Sichtweisen kosten Zeit. Sie können aber Fehler verhindern, bessere Entscheidungen ermöglichen und blinde Flecken sichtbar machen. Dafür muss klar sein, worüber ihr gerade diskutiert. Häufig vermischen sich nämlich Inhalt, Vorgehen und persönliche Kränkung.

Wenn ein Gespräch festhängt, unterbrich freundlich und ordne die Diskussion:

„Ich höre gerade zwei Fragen. Erstens: Welche Lösung ist fachlich sinnvoll? Zweitens: Wie schnell müssen wir entscheiden? Lasst uns das nacheinander klären.“

Oder: „Wir sind uns beim Ziel offenbar einig, aber nicht beim Vorgehen. Was wäre für euch jeweils die Mindestbedingung, damit ihr den Weg mittragen könnt?“

Diese Fragen verschieben den Fokus von „Wer hat recht?“ zu „Was brauchen wir, um weiterzuarbeiten?“ Gerade bei gegensätzlichen Arbeitsstilen ist das hilfreich. Die gründliche Person braucht vielleicht einen klaren Prüfpunkt, die schnelle Person eine verbindliche Entscheidungsfrist. Beides lässt sich oft vereinbaren.

Achte dabei auf den Ton. Ein sachlicher Einwand ist wertvoll, auch wenn er unbequem ist. Wird er mit Augenrollen, Unterbrechen oder Ironie beantwortet, ziehen sich Menschen zurück oder kämpfen umso härter für ihre Position. Gute Zusammenarbeit braucht deshalb nicht dauernde Harmonie, sondern die Sicherheit, Unterschiede ansprechen zu können.

Passe deine Kommunikation an, ohne dich zu verbiegen

Empathie bedeutet nicht, dass du jeden Stil übernehmen musst. Du kannst jedoch deine Botschaft so gestalten, dass sie bei deinem Gegenüber besser ankommt.

Bei Menschen, die Orientierung und Details brauchen, helfen Kontext, nachvollziehbare Kriterien und ausreichend Vorlauf. Sage zum Beispiel: „Die Entscheidung steht bis Donnerstag an. Hier sind die drei Optionen und die Punkte, nach denen wir sie bewerten.“

Bei Menschen, die schnell ins Handeln kommen wollen, formuliere zuerst Ziel und nächsten Schritt: „Wir müssen heute festlegen, welche Variante wir testen. Ich schlage Option B vor, weil sie den geringsten Aufwand verursacht.“

Wenn jemand gern im Austausch denkt, plane eine kurze Gesprächsschleife ein. Wenn jemand Zeit zum Reflektieren braucht, schicke Fragen vorab und erwarte nicht sofort eine Position im Meeting. Das ist keine Sonderbehandlung. Es ist eine sinnvolle Gestaltung von Zusammenarbeit.

Wichtig ist die Gegenseitigkeit. Du darfst ebenso benennen, was du brauchst: „Ich kann die Entscheidung mittragen, wenn wir die Risiken kurz dokumentieren.“ Oder: „Ich brauche am Ende des Meetings eine klare Zuständigkeit, sonst verliere ich den Überblick.“

Wenn dich ein Verhalten dauerhaft belastet

Nicht jede Differenz lässt sich durch bessere Absprache lösen. Wenn jemand wiederholt Zusagen nicht einhält, Informationen zurückhält, andere abwertet oder Entscheidungen bewusst unterläuft, solltest du das klar ansprechen. Bleibe auch dann bei konkreten Beispielen und Konsequenzen.

Eine mögliche Formulierung lautet: „In den vergangenen zwei Wochen kamen die vereinbarten Informationen jeweils nach dem Abstimmungstermin. Dadurch konnte ich meine Aufgabe nicht abschließen. Ich brauche die Unterlagen künftig spätestens am Vortag. Wenn das nicht möglich ist, sag mir bitte frühzeitig Bescheid, damit wir die Planung anpassen können.“

Kommt keine Veränderung zustande, dokumentiere Vereinbarungen und hole bei Bedarf die zuständige Führungskraft oder Projektleitung hinzu. Das ist kein persönlicher Angriff, sondern professioneller Umgang mit einem Arbeitsrisiko.

Wer solche Gespräche sicher führen und Zusammenarbeit bewusst gestalten möchte, findet passende Seminare und Termine bei uns auf cmt.de.

Checkliste für die nächste gemeinsame Aufgabe

Bevor ihr loslegt, prüfe kurz:

  • Ist das gemeinsame Ziel für alle in einem Satz klar?
  • Sind Zuständigkeiten und Entscheidungswege benannt?
  • Gibt es feste Zeitpunkte für Rückfragen und Zwischenstände?
  • Wissen alle, welche Informationen sie benötigen?
  • Haben unterschiedliche Sichtweisen Raum, ohne dass endlos diskutiert wird?
  • Sprecht ihr über konkretes Verhalten statt über vermeintliche Eigenschaften?
  • Ist klar, wie ihr mit Änderungen, Risiken und Verzögerungen umgeht?

Du musst Menschen nicht in Typen pressen, um gut mit ihnen zusammenzuarbeiten. Es reicht, Unterschiede wahrzunehmen, Erwartungen auszusprechen und Vereinbarungen so konkret zu machen, dass sie im Alltag tragen.

Nächster Schritt

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